Altes Gogericht auf dem Desum

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Nach Meinung vieler Heimatforscher zählen die Fluren des Desum zu den geschichtstächtigsten Landschaftsstrichen des Oldenburger Münsterlandes.

Auf dem Desum Gogericht haben sich unsere Vorfahren, Bewohner des sächsischen Lerigaus seit Jahrhunderten, wahrscheinlich bereits vor tausend Jahren versammelt, Politik gemacht und Recht gesprochen. Urkundlich
das erste Mal 1322 erwähnt tagte hier bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts das Gogericht.

1847 bei der Markenteilung wurde der Ringwall dieser Gerichtsstätte eingeebnet und das Feldstück unter den Pflug genommen.

Um an die Bedeutung dieses altehrwürdigen Gerichts zu erinnern, stellte der Oldenburger Verein für Altertumskunde und Landesgeschichte am 25. Juni 1905 einen grauen Granitfindling als Gedenkstein auf. Eine erklärende Bronzetafel war auf dem Findling befestigt. Die Herren Gemeindevorsteher Vorwerk, Emstek, Landwirt Haake, Cappeln und Hauptlehrer Markus, Elsten, hatten sich der Vorbereitungen zur Errichtung des Desum-Steines erfreulicherweise angenommen und die Enthüllung desselben zu einem Fest mit volkstümlichen Charakter vorbereitet. Die Kosten für die Erstellung des Denkmals betrugen 313,10 Mark.

Im Rahmen eines Flurbereinigungverfahrens wurde der Gedenkstein 1956 im Boden versenkt. (Er wurde 2000 wieder entdeckt und steht heute auf der Anlage der I. G.) In unmittelbarer Nähe zum ersten Standort errichtete man einen neuen Gedenkstein mit der Bronzetafel. Die Aufstellungskosten beliefen sich auf 2.271,87 DM.

Die Schulen hießen damals Volksschulen und es gab u. a. das Fach „Heimatkunde“ und es gab schon schulische Wandertage in die nähere Umgebung. Fast alle späteren Mitglieder der Interessengemeinschaft „Altes
Gogericht auf dem Desum“ aus Emstek und Cappeln hatten damals mit ihrer Klasse auf einem Wandertag den Desum Stein - bestehend aus einem Findling und der Bronzeplatte – besucht und so in Erinnerung behalten.

In den 1980 er Jahren wurde eine Ortsumgehung für Emstek als Autobahnzubringer gebaut.

Das Desum-Gogerichtsdenkmal musste erneut versetzt werden, weil die Trasse nun mitten über die Desum-Anhöhe führte. Deshalb erwarb im Jahre 1989 der „Heimatbund für das Oldenburger Münsterland“ - zusammen mit der Gemeinde Emstek und den beiden Landkreisen Vechta und Cloppenburg - ein ca. 7000 qm großes Grundstück und errichtete darauf eine Denkmalanlage aus Ibbenbürener Sandstein. (Kosten insgesamt mindestens 220.500,00 DM)

Zum 70. Geburtstag des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland wurde die neu gestaltete Desum Gogerichtsstätte am 08.Dezember 1989 der Öffentlichkeit übergeben.

Die von der Gemeinde Emstek geforderte und in den Planungen auch versprochene Wiederverwendung des Findlings aus dem Jahre 1956 als aufrecht stehender Wegestein wurde von den Erbauern nicht verwirklicht .Er
liegt heute flach auf dem Boden. Eine neue Bronzeschrifttafel in der Größe von 1,20 x 0,80 m, die auf einem pultartigen Bronzegestänge liegen sollte, fristet heute ihr Dasein auf einem grauen Betonsockel.


Schon damals waren viele Menschen aus den Gemeinden Emstek und Cappeln mit dem „nicht in die Gegend passenden“ artfemden, zwar künstlerisch gestalteten, Gebilde unzufrieden. Es verging kaum eine Vereinsversammlung, kein jagdliches Schüsseltreiben und kein Stammtischgespräch in Bürgerkreisen, an dem nicht Unmut über diese Anlage und die Verschwendung von Steuergeldern geäußert wurde.

Nach langem Zögern, reichlicher Überlegung und einer Befragung vieler Bewohner aus der Umgebung entschlossen sich Gerd Haake aus Cappeln und Ludger Brokamp aus Tenstedt - mit Unterstützung zahlreicher
weiterer Heimatfreunde aus den Gemeinden Emstek und Cappeln - eine eigene Gedenkstätte zu schaffen. Diese sollte der unbestrittenen geschichtlichen Bedeutung des alten Gogerichts entsprechen und aus Findlingen bestehen.

Am Herzog Erich Weg, in fast unmittelbarer Nähe zur offiziellen Anlage wurde im Juli 1991 , nachdem Franz Werner und die katholische Kirchengemeinde Emstek, vertreten durch Pfarrer Aloys Hülsmann ihre
Zustimmung gegeben hatten, in „Pastors Busch“ unter einem Eichen-, Buchen- und Kirschenbestand eine aus ca. 30 hiesigen, von vielen Landwirten zur Verfügung gestellten Findlingen und Granitblöcken bestehende Nachbildung der hier vor vielen hundert Jahren bestehenden Gogerichtsstätte aufgebaut.

Leserbriefe in den Zeitungen, die Berichterstattung in der Presse machten die neue Anlage bei vielen weiteren Menschen bekannt. Die Initiatoren erhielten aus der Bevölkerung viel Anerkennung und Unterstützung.

In einem kontroversen Gespräch im Cloppenburger Kreishaus zwischen Vertretern des Heimatbundes für das Oldenburger Münsterland, des Landkreises Cloppenburg, der Gemeinde, des Heimatvereins Emstek, sowie 14
Vertretern der „Interessengemeinschaft Altes Gogericht auf dem Desum“ wurde letztendlich gegenseitige Toleranz und ein Mit- statt Gegeneinander vereinbart.

Wir haben uns immer daran gehalten.


Die Begründung für die Erbauung einer Denkmalanlage aus Sandstein beruhte bei den Verantwortlichen des Heimatbundes dabei auf einer Anknüpfung an sakrale Einrichtungen in vielen Kirchen in unserer Region.  Sowohl mittelalterliche Taufsteine als auch Altäre sind aus Sandstein gefertigt.

Allerdings zu behaupten, Findlinge und andere Granitblöcke, die in der Eiszeit nach hier gekommen sind, seien „germanophil“, das heißt, diese Steine hätten in der Zeit des Nationalsozialismus eine Überhöhung erfahren und man dürfe sie daher zu heutigen Denkmalanlagen nicht mehr verwenden, halten viele Teile der Bevölkerung für einseitig und überzogen.

Es sei nur daran zu erinnern, dass in vielen ehemaligen Konzentrationslagern – beispielsweise im benachbarten Emsland - Findlinge zur Mahnung errichtet worden sind. Von daher kann es eigentlich keine
Bedenken geben, dieses Steindenkmal zu verwenden; sind doch Findlinge natürliche Erscheinungen unserer heimischen Umwelt. Man denke an die Hünengräber, die Findlingskirchen oder die Fundamente vieler alter
Bauernhäuser.



Dass der Findling durchaus auch Träger christlicher Symbole sein kann, haben wir auf dem Gedenkstein des Bischofs von Münster im Jahr 2000 bewusst deutlich gemacht.

Am 01.03.1993 wurde der Verein „Interessengemeinschaft Altes Gogericht auf dem Desum“ offiziell gegründet, da die Zahl der Mitglieder und Förderer immer weiter stieg. Bis zum 01.06.1992 waren schon 115 Personen
Mitglied geworden. Eine Satzung wurde vorgelesen und genehmigt. Da Gerd Haake den Vorsitz nicht übernehmen wollte, wählte die Versammlung W.Reinke zum 1. Vorsitzenden, Pfarrer Aloys Hülsmann zum
1. Stellvertreter, Franz Werner zum 2. Stellvertreter, Gerd Haake zum Kassierer, Ludger Brokamp zum Schriftführer und Heinrich Hülsmann zum Desumskurator.

Am ersten Montag im Monat März findet jedes Jahr die Mitgliederversammlung statt, wechselnder Weise in Cappeln oder Emstek. Hier werden auch die wieder aktivierten Gogerichtsgefälle - Abgaben von Gemeinden an
den Gerichtsherrn - verköstigt und die Schöffen für den stets am Samstag nach Johanni (24. Juli) durchzuführenden Gogerichtstag ausgelost.

Neben einigen Dokumentationen im „Desumer Gerichtsboten“ erfolgte im Jahre 2000 die Herausgabe des von Prof. Behr, Münster, Bernhard Brockmann, Klaus Kokenge u.a. erarbeiteten Buches „Das Gogericht auf dem Desum“

Die Setzung von Gedenksteinen, die 1992 durch den Hasegau begann und sich dann über

  • Visbek (1993),
  • Wildeshausen (1994) ,
  • Vechta Oythe (1995) ,
  • Friesoythe (1996)
  • Krapendorf/Cloppenburg (1997) ,
  • Goldenstedt  ( 1998)
  • Bakum / Sutholte (1999)

fortsetzte, endete im Jahr 2000 mit einem Besuch und der Steinsetzung durch den Bischof von Münster-Dr. Reinhard Lettmann.



 

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